Sonntag, 12. Juni 2011

Rezension: Garou - Leonie Swann

Leonie Swann - Garou
Format: Taschenbuch, 416 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3442473595

Klappentext:

Endlich ist es soweit. Die Schafe von Glennkill erkunden Europa. Gemeinsam mit ihrer neuen Schäferin Rebecca beziehen sie ihm Schatten eines französischen Schlosses ihr Winterquartier.
Dann sterben im Wald Rehe eines unnatürlichen Todes. Ein Wehrwolf, murmeln die Ziegen von der Nachbarweide. Ein Loup Garou! Oder doch nur ein Hirngespinst? Doch spätestens als ein Toter unter der alten Eiche liegt, ist klar, dass auch Hirngespinste tödlich sein können. Die Schafe heften sich auf die Spur des Garou und versuchten mit Schafslogik, Mut und Kraftfutter, sich selbst und die Schäferin zu retten.

Mit „Garou“ legt Leonie Swann ihren zweiten Schafskrimi bzw. den ersten Schaf-Thriller vor, der direkt an den ersten anknüpft und die den Schafen versprochene Europareise erfüllt. In Frankreich geht es an einen neuen Fall für die wolligen Ermittler rund um Sir Ritchfield, Miss Maple, Mopple und Othello.

Inhalt:
Es ist Winter und die Schafe haben mit Rebecca und ihrer Mutter Quartier in Frankreich geschlagen, neben einer alten Burg, die früher als Irrenanstalt diente. Auf der Nachbarwiese weiden Ziegen, doch diese sind den Schafen sehr suspekt und erscheinen ihnen verrückt... und eigentlich ist sie Schafherde auch sehr damit beschäftigt sich vor dem Tierarzt zu verdrücken. Doch dann wird im Wald ein Reh tot aufgefunden... zerfetzt, aber nicht erschossen und auch nicht verspeist...
Sehr seltsam...

Hintergründe:
Leonie Swann mischt zwischen die Schafsweisheiten ihrer Herde viele Bilder. Die mythologische Geschichte des Loup Garou, des grauen Wolfes, wird mit einer Geschichte unterfüttert die sich an die Bestie vom Gévaudan anlehnt und somit natürlich sehr gut in das französische Setting passt. Reminiszenzen an das Schweigen der Lämmer und Wehrwolfgeschichten aller Couleur bringen die Spannung herein... und was Schafe über Faune und Narnia denken, das alles ist, wie auch schon im ersten Band, sehr nett gemacht.

Bewertung:
„Glennkill“ hat mir damals viel Freude bereitet, weniger, weil der Krimi so spannend war, sondern weil die von Leonie Swann erfundene Weise wie Schafe denken und auch die Schafsphilosophie über das Leben, die Herde und den ganze Rest, mich wirklich bezaubert haben. Mit der Hoffnung auf ein ähnliches Leseerlebnis schlug ich dieses Buch auf und wurde bitter enttäuscht.
Die kleine Welt der Schafe wird hier zerrissen und dafür mit einer Unmenge an Personen gefüllt, die sich, meiner Meinung nach, nicht für die doch recht simpel gestrickten Schafscharaktere eignet. Da die Geschichte zu den größten Teilen aus ihrem Blickwinkel erzählt wird und noch dazu jedes Schaf für sich eine eigene Art hat die Dinge zu erzählen, zerfasert sich das ganze recht bald in viele einzelne Handlungsstränge, die es mir fast unmöglich machten dem ganzen zu folgen. Ich erinnere mich daran, dass es im ersten Buch anders war. Dort verlief die „Ermittlung“ langsamer, die Schafe arbeiteten zusammen und es war immer wieder Zeit für ein wenig Besinnung. Diese ist hier nicht mehr gegeben. Es passiert viel und ich bin mir, nachdem ich die letzte Seite gelesen habe nicht wirklich sicher, ob all das was passiert wirklich nötig gewesen ist... manche Handlungsstränge entstehen einfach und führen eigentlich zu nichts. Das Ganze ist zwar reichlich mit Spannung gefüllt, aber dadurch verliert es auch an Charme. Kein Schaf kommt wirklich zum Zuge... dabei ist ein Teil des Kriminalfalls für den Leser schon recht bald offenkundig... und wer denn nun wirklich der Wehrwolf ist, ist im Grunde völlig uninteressant.
Meiner Meinung nach hätte es nicht geschadet weniger Plot in die ganze Sache zu packen, ein paar Personen, besonders menschliche, einfach zu streichen und den Schafen mehr Raum zu lassen und weniger aktionsgeladene Handlungsstränge einzufügen. Es passiert wirklich viel in diesem Roman, aber es ist zu viel.
Gut gefallen haben mir allerdings die Zwischengeschichte des Winterlamms, das sich schließlich selbst den Namen Heathcliff gibt (extrem passend, wenn man einen Moment drüber nachdenkt) , und die Ziege Madouc, die wenigstens ein wenig Ordnung in die Geschichte einbringt... und sowohl mich als auch die Schafe fasziniert hat.

Fazit:
Der Schaf-Thriller versagt leider an den vielen Ideen die Leonie Swann aufwirft, aber nicht wirklich gut eingebaut hat. Sie sollte lieber zu Schafskrimis zurückkehren, mit einem etwas logischeren und sauberen Plot und weniger Action... dem die Schafsermittler auch beikommen können.

 Ich vergebe ✦✦✦✧✧

Kommentare:

Grete_o_Grete hat gesagt…

Mir waren es auch deutlich zu viele Personen, ich muss sogar gestehen, dass ich irgendwann den Unterschied zwischen dem Ziegenhirten und dem Ziegenkäser nicht mehr auf die Reihe bekommen hab und dann direkt einige Seiten noch mal lesen musste - wäre nicht passiert, wenn a) weniger Personen aufgetaucht wären und b) die Namen deutlicher verwendet worden wären. An "Glenkill" reicht "Garou" leider wirklich nicht ran, die Schafe mag ich aber dennoch ;-).

Gecko hat gesagt…

Die Schafe sind cool, keine Frage. Der Grund warum ich beide Bücher gelesen habe, ich steh' auf Schafe, weniger auf Krimis oder Thriller... nur schade eben, das sie sich im Gewühl von Namen und Dingen, für die Schafe keine Namen haben so furchtbar verlaufen mussten.