Freitag, 8. Februar 2013

Kurt Tucholsky und die Bücherstapel

Peter Panther - Auf dem Nachttisch

(Weltbühne, 1929 26.02.1929, Nr. 9, S. 337)

Auf dem Nachttisch: Bücher – eine kippelnde Säule; auf dem Bett: Bücher; auf dem Rasiertisch: Bücher; hätte ich ein Töpfchen, so läge Eduard Engel darin – aber ich bin ein feiner Mann und habe kein Töpfchen und keinen Engel. Wer verlegt das nur alles? Wer druckt das? Wer kauft das? Wer liest das –? Warum wird grade dies verlegt und nicht irgend etwas andres? Wonach geht es, o unbegreifliche Lektoren! Da beklagen sie sich, dass die Buchgeschäfte nicht fest sind – verlegen aber pfundweise Bücher, die nicht gehen und nicht gehen können, weil sie mittelmäßig sind: Nichterfolge darf nur ein Genie haben, Talente haben Erfolg zu haben. Heute ist es noch früh, halb zehn Uhr, drei Premieren steigen ohne mich, Lieschen wartet an der Porte Majeure, das ist force Maillot, und der General Pinenlair, dem ich immer für schweres Geld die Grundrisse unserer Panzerkreuzer übergebe, beklopft in seinem Ministerium den Diplomatenschreibtisch mit nervösen Fingern. Alles in Ordnung – lasset uns lesen.


Mit diesem kleinen Ausbruch des Bücherstapelleids lasse ich es heute mal ein wenig ruhig angehen. Ich habe eine dicke Erkältung und die will mich einfach nicht klar denken lassen... Mit Tee, Taschentüchern und Nasenspray bewaffnet versuche ich allerdings wenigstens ein wenig zu lesen.

Eure Gecko


Donnerstag, 7. Februar 2013

Rezension: The Memoirs of Sherlock Holmes - Arthur Conan Doyle

The Memoirs of Sherlock Holmes
Deutscher Titel: Die Memoiren des Sherlock Holmes
Format: Gebundene Ausgabe, 310 Seiten
Verlag: Collector's Library, 2005
ISBN-10: 1904919707
ISBN-13: 9781904919704





Statt selbst Hand an zu legen schickt Athur Conan Doyle nun ein viertes Mal seinen genialen Sherlock und den treuen Watson auf Ermittlung aus, diesmal wie schon in „The Adventures of Sherlock Holmes“ ist es wieder ein Band mit vielen Kurzgeschichten

In diesem Band kommen viele der Geschichten oder Details vor, die man von Sherlock Holmes auch kennt, die praktisch zur Marke „Holmes“ gehören, wenn man noch nie einen Band gelesen hat. Allein die aktuellen Verfilmungen können dazu reichen, so wie bei mir... so begegnete ich der einzigen Geschichte in der Sherlock seine berühmten „Deerstalker“-Mütze wirklich trägt und durfte mich herzlich über das Auftauchen von Mycroft und Moriarty freuen, allerdings sogleich mit tragischen Folgen.

Die Fälle an sich sind meistens nicht das was mich wirklich beim Lesen interessiert auch wenn einige wirklich faszinierend sind was ich aber wirklich mag sind die kleinen Details, die hier, weil wichtig für die Fälle, in den Vordergrund gerückt werden und damit einen Großteil des Flairs ausmachen. Zudem wird Holmes mit der Zeit auch etwas menschlicher, denn dem Helden wird es erlaubt Fehler zu machen und spätestens in den letzten Geschichten des Bandes beginnt sich der kleine Kosmos des „Holmes“ Universums gänzlich zu entfalten, wenn man seinem Widersacher und dem nicht minder genialen Mycroft begegnet.
Was sich schon in „The Sign of the Four“ bemerkte, in dem es um Mormonen geht,  wird hier jetzt noch mal um einiges deutlicher. Obwohl Sherlock, mit an Asperger grenzender Wahrscheinlichkeit, ein sehr seltsamer Typ ist, er hat Ansichten und Einsichten in seine Zeit und spart nicht mit Kritik... und dem ein oder anderen sentimentalen Gefühl, wenn er in seinen Geschichten über Rassismus oder Kolonialpolitik stolpert. Das ganze macht die Geschichten immer runder und  hinzu kommt ein weniger hilflos, staunender Watson. Auch der Sidekick bekommt nun endlich etwas mehr Raum. Alles in allem ein sehr rundes Buch, wenn auch nicht alle Fälle extrem beeindruckend waren und sich manche Motive zu denen in „The Adventures of Sherlock Holmes“ auch überschnitten, so rührte es mich doch erheblich als Holmes auf sein letztes Problem stieß.

Fazit:
Ich fange mich an mit Sherlock richtig wohl zu fühlen und werde mit Sicherheit weiterlesen.

Ich gebe angeregte:

✦✦✦✦✧

Eure Gecko



Dienstag, 5. Februar 2013

Schillers Schädel: Conan ermittelt

Bakerstreet 221b ist eine real gewordene Legende, so real, das eine Adresse die es zu Zeiten von Arthur Conan Doyle nicht gab, heute zu finden ist.
Eine Sparkasse, die in den letzten Jahren dort residierte bekommt aber jede Menge Fanpost. So viele, das sie eigens einen Mitarbeiter abstellt, der diese Briefe für sie beantwortet... meistens sind die Briefe selbst wohl nicht so ganz ernst zu nehmen, aber manchesmal ist es dann doch ein Hilferuf oder die Bitte einer Fährte zu folgen und ein Kriminaldelikt zu entschlüsseln.

Aber schon zu seinen Lebzeiten musste Arthur Conan Doyle damit leben beständig mit seinem fiktiven Romanhelden verwechselt zu werden. So wurde ihm als er geadelt wurde gratuliert, weil er sich nun "Sir Sherlock Homes" nennen durfte... und als Holmes dann in die Reichenbachfälle stürzte, schrieb ihm eine empörte Lady Banks:
"Holmes' Tod hat mir das Herz gebrochen. Ich habe die Bücher, die er geschrieben hat, so genossen..."

Ich kommentiere das mal nicht selbst, sondern lasse Holmes Freund darauf antworten:
Liebe Lady Banks,
vielleicht sollten sie sich die Bücher, welche sie so genießen, noch einmal zur Hand nehmen. Es ist nämlich mitnichten so, dass mein guter Freund Holmes seine Geschichten selbst notiert hat. Dafür braucht er mich, hm? Irgend wozu muss ich ja gut sein, nicht wahr?
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Watson
Aber die gutgläubigen Fans und etwas dummen Leser machten auch vor dem echten Autoren keinen Halt. Ständig baten sie ihn darum den ein oder anderen Fall aufzuklären...
Solange wohl, das Athur Conan Doyle tatsächlich in kriminalistischen Angelegenheiten tätig wurde.

"Da meldetete sich eine junge Frau bei ihm, deren dänischer Verlobter kurz vor der Hochzeit verschwunden war. Sie fürchtete um sein Leben [...] Arthur Conan Doyle, Frauen gegenüber immer Kavalier und Gentleman nahm den Fall an und löste ihn. Er fand nicht nur den flüchtigen Verlobten, sondern machte der jungen Frau überdies klar, dass der Däne ihre Zuneigung und Sorge eigentlich nicht verdiente."
(Was geschah mit Schillers Schädel von Rainer Schmitz: Seiten 76-78)

Er kümmerte sich noch um zwei weitere Fälle, dann aber besann er sich und lehnte alle weiteren Anfragen rigoros ab.

Soviel zu "Conan ermittelt". Dieses Phänomen ist seither auch nicht ausgestorben, man denke nur an all die Briefe die Fernsehdoktoren, Rechtanwälte und all die imaginären Gestalten, die unser Leben erfüllen erhalten. Von Dr. Dressler aus der Lindenstraße ist so etwas zumindest schon an mein Ohr gedrungen.
Fragt sich nur, was da psychologisch passiert, das diese Menschen nicht zwischen der Realität und der Welt der Fiktion unterscheiden können...

Bakerstreet 221b ist heute eine reale Adresse in der sich ein Sherlock Holmes Museum befindet.

Mehr von Holmes, Watson und Dolye dann morgen,

Eure Gecko